Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 15 (1821) Gedichte ; 1
Entstehung
Seite
286
Einzelbild herunterladen
 

28ü

Herders Gedichte.

i3.

In jener goldnen Zeit,

Da Thier' und Menschen vetcerliche Schnuren

Und Schwätzer und Gesellen waren

Und Aelterbruder Mensch ihr Vormund weit und

breit,

Ein Vormund mit Verstund und Lieb und Treu:Er suh un jedes Stirn, was in ihm scy,

Und lenkt's an seiner Hund, wie Gott die Menschen

lenkt,

In jedes eignem Hirn, daß jeder denkt:

Wie bin ich frei!"

Und Weisheit spielet' auf der ErdeIn allem, wus nur lebt und webt;

Der Mensch empfand:wus lebt und webt,Spricht, handelt mir, damit Ich weise werde!"Und er erhebt

Vor allem Sich empor und fühlt sich GvttcsbildMit Vaters Blick und Wort erfüllt;

,,Daß, spricht er, mir die ErdeGehorsam werde,

Begabet bin ich mit Verstand"

Stracks siel sein Blick auf's irdische Gewand,Und wie verhülltDes Vaters ewige GewaltIn Thiergestalt!

Damit ich, sprach sein inneres Mitgefühl,

Im großen Erdgewühl

Mit Thielen Thier, von allen Bruder werde,

Ein Herk und Knecht der Erde!"

4 ^ *

*