Liebliches Morgenroth deckt seine Wange; sein Antlitz
Strahlet göttlichen Geist, 'glanzt in gefälliger
Huld,
Jetzt entschließet die Lippe sich ihm; Gedanken er-scheinen,
Wie sie die heutige Zeit neidet, die alte begrüßt.
Schön ist's anzuschauen, wie tausend Seelen gefesselt
Hangen an feinem Wort, folgen dem lieblichen
Laut
Seiner Stimme, die jegliches Herz bezwinget und
fortzicht —
Glaubet die Nachwelt einst, daß mich die Liebe
getauscht,
O so zeuge, du Rom, bezeugt es, die i.hr ihn
hörtet,
Hört und sähet, daß ich lange zu wenig gesagt.
Die Abbitte.
Dankbar küss' ich den Knoten, in den mich die
Liebe geschlungen,
Dankbar küss^ ich den Pfeil, der mir die Seele
getbeilt,
Knieend vor dem Altar, auf dem die geweihete
Flamme
Allen Schmerz mir entnahm, alle Verlangen ge-stillt.
Herders Werke Lit. u. Kunst. XV. F 6e-i-c/-re. I.