Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 8 (1821) Stimmen der Völker in Liedern
Entstehung
Seite
146
Einzelbild herunterladen
 

IV. Lieder aus dem hohen Nord.

Als die Frau dies harte Wort vernommen,Stand die treue starr und voller Schmerzen,

Hört der Pferde Stampfen vor der Thüre,

Und es deucht ihr, Afan kam', ihr Gatte,

Springt zum Thurme, sich herab zu stürzen.Aengstlich folgen ihr zwei liebe Töchter,

Rufen nach ihr, weinend bittre Thranen:

Sind nicht unfers Vaters Asans Rosse!

Ist dein Bruder Pintorowich kommen."

Und es kehrt Zurück die Gattin Asans,Schlingt die Arme jammernd um den Bruder: , ,Sieh die Schmach, o Bruder, deiner Schwester!Mich verstoßen! Mutter dieser Fünft!"

Schweigt der Bruder und zieht aus der Tasche,Eingehüllet in hochrothe Seide,

Ausgcftrtiget den Brief der Scheidung,

Daß sie kehre zu der Mutter Wohnung,

Frei sich einem andern zu ergeben.

Als die Frau den Trauer - Scheidbrief sähe,Küßte sie der beiden Knaben Stirne,

Küßt die Wangen ihrer beiden Mädchen.

Aber, ach! vom Säugling in der WiegeKann sie sich im bittern Schmer; nicht reißen;Reißt sie los der ungestüme Bruder,

Hebt sie auf das muntre Roß behende,

Und so eilt er mit der bangen FrauenGrad nach seines Vaters hoher Wohnung.

Kurze Zeit war's, noch nicht sieben Tage,Kurze Zeit gnug, von viel großen Herren