Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
Entstehung
Seite
451
Einzelbild herunterladen
 

Hand, sie dahin zu führen. So soll's seyn: sowars ehemals: immer aber und überall kann nurein Gott solche Dichter geben. Was Menschenwerkist , folgt auch menschlichen Sitten ung sich her; esist von der Erde und spricht irdisch : der Sänger, dervom Olymp kommt, ist über alle, und eben derStab seiner Wirkung ist das Krcditiv seines Be-rufs. Wie der Magnet das Eisen, kann er Herzenan sich ziehen und wie der elektrische Funke allgegen-wärtig durchdringt, allmächtig fortwandclt: so trifftauch sein Blitz, wo er will, die Seele. Er wirdweder Weichling seyn, noch Kitzler, noch Siktcnver-decber, nicht aus Gesetzen von außen, sondern weil eredleres Feuer, Hähern Beruf in sich fühlet.

Wir, die keine Götter sind, solche Sitten-verwandler zu schaffen und der dürftigen Zeit zugeben, wolliN ihren Werth wenigstens erkennen undihr irdisches Werden nicht aufhalten. Sv langunsere Dichtkunst Meßgut ist und Karmen an denGeburtstaget der Großen, so wird jeder Chiron inden Fels gehen und einen jungen Achilles etwaallein die Leyer lehren. Kein Tyrtaus wird vorunfern nach Amerika verkauften Brüdern einherziehenund kein Homerus diesen traurigen Feldzug singen.Sind R el igi o n, Volk, Vaterland unterdrückte,nebelichte Namen, so wird auch jede edle Harfedumpf und im Nebel tönen. Ja endlich (dieUrsache von allem !) so lange wir in naturloser Weich-heit, Unentschlossenheit und üppigem Zagen für Geldund Ruhm singen, wird nie eine Leyer erschallen, dieSitten schaffe, die Sitten bilde.