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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
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282 VII. Das Buch der gerechten Mitte

Und du wagest dich hieher? sprach ich zu ihr.Fürchtest du nicht auch, daß dich der Tiger verzehre?Warum an einem so gefährlichen Orte wohnen, inden Gebirgen? Wahle dir einen andern."

Das geschieht nie, antwortete sie. Im Flecken,wo ich wohne, herrscht Freundschaft und Erbarmen;man stehet einander bey, man Hilst sich und genießtFriede. In der Ebne, habe ich gehört, sind dieMenschen feindselig aufeinander und böse; in denGebirgen hier lebt man einträchtig und glücklich.Ach lieber in die Klauen des Tigers fallen, als indie Hände und Zahne böser Menschen! Ich kamhieher, den Tod der Meinigen zu beweinen, meinemSchmerz Luft zu schaffen und meinen Thranen. Laßmich soctweincn! Es ist Schmerz, was aus mirklagt; kein Murren, keine Beschwerde gegen denHimmel." Sie wandte sich von mir, und dortseufzet sie noch.

Gerührt saß Kung - Tsee in seinem Wagen,unbeweglich.Die Unglückliche, sprach er endlich,sollte allen Unglücklichen ein Muster scyn, zu klagen,ohne sich zu beklagen, durch Thranen sich Linderungzu verschaffen, nicht murrend sich zu empören. Siehat sich den Gesetzen des Himmels unterworfen, undsagt uns über Tiger und Menschen eine traurige.Wahrheit. Aber sie spricht auch von guten Men-schen in diesen Gebirgen; wohlan, Freunde, wirwollen sie besuchen, uns ihrer freuen und uns überdie Menschen in der Ebne trösten." So fuhr erweiter.