Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
Entstehung
Seite
279
Einzelbild herunterladen
 

und Exempel der Tage.

2?S

sie geht. Wer einen Schatz hat, theilt ihn nicht je-dermann mit; er bewahrt und nutzt ihn für sichselbst. Mache cs auch also, junger Mann; so han-delst du weise. Jetzt scheinet es, bist du anmaas-send. Was sollen uns die Muster der Alten?"

So fuhr Lao-Kium fort; Kung-Tseehörte aufmerksam zu und als er sich wegbcgeben,sprach er zu seinen Begleitern, die ihn um sein Ur-theil vom Weltweifen Lao-Kium fragten:Gese-hen habe ich den Lao-Kium, kenne ihn aber ebenso wenig, als den Drachen *). Der Fisch,weiß ich, schwimmt; das Thier der Erde geht oderkriecht; die Vögel fliegen, was der Drache thut,weiß ich nicht. Auch wie man Thicre, Fische, Vö-gel fangt, weiß ich etwa; aber wie man den Dra-chen fängt, habe ich noch nie erforschet."

So sprach er und kam an einen Strom, vor-dem er, wie andächtig, stille stand.Seht, sprachec, die rinnenden Wellen! Sie rinnen Nacht undTag, bis sie sich alle im großen Weltmeer vereinen.So wir. Von st)ao und Sc hu ns Zeiten kamdie Lehre der Weisheit zu uns herab; lasset uns an-dern sie geben, damit diese auf ihre Nachkommensie fortpflanzen bis ans Ende der Zeiten. Wir ha-ben empfangen, wir wollen geben und unsnicht zu den Weisen zahlen, die für sich allein dasind. Das Wenige, das wir mittheilen können anWissenschaft und Tugend, wird uns nicht arm, son-dern in Andern reich machen. Menschen und Zeiten

*) Der Drache ist das Sinnbild der höchsten Weis-heit und Macht im Kaiscrthum Sina.