264 VI. Ueber ein morgenlandisches Drama.
Gey mir gegrüsset, 0 Gott! Du hast die Holde bezwunr
gen,
Die mit dem schüchternen Blick einer Gazelle bezwang,Ihre Schwanengestalt, wie die glanzende Sambagom-
blume
Seiden; die Lippe zart, wie der Tamarei Kelch,Süßen Hauches; die Nachtigall schweigt der lieblichen
Srimme —
Die, 0 gewaltiger Gott, hast du im Scherze besiegt.Wie die Maligra-Blume der Morgenröthe sich austhut,Thun sich, blickst du sie an, zartere Seelen dir auf.
Tamajandri.
O wer schildert Tamajandri'S Reize,
Brama's Meisterwerk! In Millionen JahrenHatte schaffend sich der Gott geübet,
Und aus aller HerzensftßlerinnenFeinsten Reizen schuf er Tamajandri.
Kama und die Anmuth, seine Gattin,Legten, als sie die Gestalt erblickten,
Ihre Götterkranz' ihr an den Busen.
Da erhoben sich der Wollust Hügel,
Rund, wie Wilwamfrüchte, leise wallendWie der Ton der seufzendsüßen Laute.
Fünf der Pfeile tragt der Gott der Liebe;Drey davon verschoß er in den Himmel,
Auf die Erd' und in des Abgrunds Reiche.
Die zwey übrigen, 0 Tamajandri,
Barg der Gott in deine holden Augen.