VI. Ueber ein morgenländisches Drama. 235
diese Geistes- und Gemüthsschatze der friedseligstenNation unsers Erdballs sammt ihrer Sprache, derkaufmännischen Nation desselben Balles anvertrautsind; früher oder spater werden sie solche doch auchauf Gewinn anlegen. Du legtest solche nicht daraufan, guter William Jones; dein Name, Prä-sident indischer Literatur', bestehe ewig.
Uebrigens ist Sakontala, oder der ent-scheidende Ring, seiner Abweichungen vom Grie-chischen, Französischen und Englischen Theatcrkostümeungeachtet, ein Drama, wie irgend Eins es seynmag, eine wahre, sasich mochte sagen, die zartesteSchicksals fabel. Das Leben im Hain und amHofe sind so treu geschildert, die Charaktere so festund zart gehalten; unmerklich und unauflöslich denSterblichen, wird der Knote zusammcngezogen und kö-niglich - göttlich gelöset. Die Sprache ist geschmückt,blumenreich und nie doch übertrieben, das Betragender Personen und Stande gegen einander, seyen sieGötter oder Menschen, ist so anständig und artig,daß in allem diesem das Stück seines Gleichen suchendürfte in allen Sprachen, unter allen Nationen. Auchdie cingemischten Stimmen der Musik, die Züge derMahlerey, des Schmuckes, des Scherzes sind ebenso original als zierlich; die Begriffe der Religionendlich, zumal« in den Wohnungen des Paradieses,sind (wer darfs läugncn?) selbst paradiesisch. FindeSakontala auch in dieser Ausgabe, wie in der ersten