Desto merkwürdiger ist die Poesie der Ara-'bcr worden, die Eine der Hauptrollen in der Weltgespielt hat, ob sie gleich an Schönheit der Formenim Ganzen jeder Dichtart, an die Poesie der Grie-chen schwerlich reichet. Aus eigenthümlichcr Wurzelentsprossen, ist sic der reine Abdruck des Volkes, dassie erfand, seiner Sprache, Lebensart, Religion,und EmpsindunzSweise. Fast ein Jahrtausend hinhat sie, und zwar eine Acitlang unter den glücklich-sten Umständen, geblühct; ja ihre Wurzeln findnoch nicht ausgestorben, sondern der Sprache nachnoch jetzt über zwei, große Welttheile lebendig ver-breitet *). In einem so großen Zeitraum, so weitumher verbreitet, und mit stolzer Hochachtung vonden Arabern verehret, konnte und mußte sie aller-,dings eine so künstliche Gestalt gewinnen, daß gegensie die Poesie der Hebräer wie ein Kind dastehet.Das Volk der Wüste, nachher Ueberwindcr und Be-sitzer der Welt, ward auch in seinen Bildern stolz,reich und heftig; ihre Beschreibungen sind prachtvollund glanzend, ihre Sentenzen gedrängt, künstlich,und, dem Jslamismus zu Folge, andächtig und er-haben **). Oft ward ein Scharfsinn auf den andern
*) OitstL siehe in Dah terß Handbuch der Litera-turgeschichte an den gehörigen Orten. Es wäreschön, wenn Eichhorn eine charakteristische Ge-schichte dieser Poesie, sofern sie in Europa be-kannt ist, uns in seinem Gesichtskreise gäbe.
") Die Sammlung dieses Theils hat nur wenig Ara-bische Stücke; S. rüg. rho. ihr. rhh. (die Liebe-die laute Klage; die Perle; der gesellige Schmerz).