Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

Dichtungen aus der Morgenland. Sage. 65

Neugierig versammlet? sich die Menge und liefhinter ihm her; aus allen Flecken und Dörfern,durch welche er zog, cilete das Volk ihm nach, zusehn die Erweckung des Tobten.

Und mit leichten Schritten ging Gehasi vor ih-nen her, und als sie gen Sunem kamen, trat erhinzu und legte den Stab auf des Knaben Antlitz.

Aber da war keine Stimme noch Fühlen.

Er kehrete den Stab um und legete ihn anders,rechts und links, oben und unten; der Knabe aberwachte nicht auf, und Gehasi ward von der Mengeverspottet. Beschämt kehrete ec zurück zum Prophe-ten und zeigele ihm an und sprach:der Knabe istnicht aufgewacht."

Da nahm Elisa den Stab und eilcte gen Su-mm, und ging hinein in das Haus und schloß dieTbür zu vor ihnen allen. Und betete zum Herrnund stieg hinauf und legete sich auf das Kind, sei-nen Mund auf des Kindes Mund, seine Augen aufdes Kindes Augen, und breitete sich über dasselbe,bis daß des Kindes Leib warm ward. Womit er-wärmte er den Tobten? Mit seinem stillen, dcmü-thigen Gebet, mit dem Athem seiner uneigennützigen,selbstlosen Liebe.

Da nimm hin deinen Sohn," sprach er zurMutter, und der eitle Gehasi stand beschämt.

HerdersW. z. sch. Lit. u. Kunst. IX. E