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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 9 (1821) Blumenlese aus morgenländlichen Dichtern
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Dichtungen aus der morgenländ. Sage. i3

Neidend stand das andere Licht und sah, daßcs die Herrsche nicht zu überglänzen vermochte.Was sollen, sprach sie murrend Key sich selbst,zwey Fürsten auf Einem Thron? Warum muß ichdie Zweytc und nicht die Erste seyn?"

Und plötzlich schwand, vom inncrn Grame ver-tagt, ihr schönes Licht hinweg. Hinweg von ihrfloß es weit in die Luft und ward das Heer derSterne.

Wie eine Todte bleich stand Luna da, beschämtvor allen Himmlischen und weinte:Erbarme dich,Vater der Wesen , erbarme dich ! "

Und Gottes Engel stand vor der Finstern da;er sprach zu ihr des heiligen Schicksals Wort:Weildu das Licht der Sonne beneidet hast, Unglückliche,so wirst du künftig nur von ihrem Lichte glänzen;und wenn dort jene Erde vor dich tritt: so stehestdu, halb oder ganz, verfinstert da wie jetzt.

Doch, Kind des Jrrthums, weine nicht. DerErbarmende hat dir deinen Fehl verstehn und ihn inWohl verwandelt. Geh, sprach er, sprich der Reuendentröstend zu:auch sie in ihrem Glanze sey Königin.Die Thräne» ibrer Reue werden ein Balsam seyn,der alles Lechzende erquickt, der das vom Sonnen-strahl Ermattete mit neuer Kraft belebet."

Getröstet wandte sich Luna, und siehe, da um-floß sie jener Glanz, in welchem sie jetzt noch glanzt:sie trat ihn an, den stillen Gang, den sie jetzo nochgeht, die Königin der Nacht, die Führcrin derSterne. Beweinend ihre Schuld, mitleidcnd jederThräne, sucht sie, wen sie erquicke; sie suchet , wensie tröste.