Zweyte Vorrede.
(In der dritten Sammlung zerstreuter Blätter 1787).
vtachstehende Dichtungen maßen sich keine Stelleunter Aesops Fabeln an; vielmehr verbergen sie sichunter dem bcscheidnern Namen der Dichtungenaus Sagen. Denn aus Sagen oder aus der Ge-schichte alter morgenlandischer Völker sind sie geschöpft;sie mußten also auch in ihrer neuen Gestalt den Sit-ten und der Vorstellungsart dieser Nationen treubleiben, selbst wo diese von der unfern sich weit ent-fernen. Zum kindlichen Ton der Sage gestörte eSauch, daß sie kein poetisches Sylbenmaas hatten undauf den Schmuck feinerer Völker überhaupt Verzichtthäten. Sie stehen bescheiden als Fremdlinge hierund erwarten die freundliche Willfährigkeit, die manAusländern erweiset, daß man nämlich in ihre Denk,art eingehe und sie nur nach ihren eignen Gesetzenrichte.
Ich bin zu ihnen gekommen, auf Wegen, woich so etwas nicht suchte; mcistentheils nämlich imStudium morgenländischer Sprachen, Sagen undCommentare. Hier war mir oft ein Bild, einGleichniß, eine Dichtung, das was jenem müdenPropheten der Wachholderbaum in der Wüste war;an sich eine arme Gelüste, die ihm indcß Schattengab und ihn stärkte. Oder ohne Bild zu reden, ichtraf in den Sagen des Morgenlandes, so ungereimtsie manchmal schienen, oft so dichterische Ideen an,