Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 11 (1821) Römische Literatur. Antiquarische Aufsätze
Entstehung
Seite
283
Einzelbild herunterladen
 

II. Antiquarische Aufsätze. 263

mehr zu geben; sie kämpft aber, so viel sie kann,mit beiden, um die Figur vcm Grunde zu rcifienund der Phantasie Flug zu geben, das sie nicht mehrse h e, sondern gen i c ß e, taste, fühle. Folg-lich sind alle Reiz - und Schönheit, linien nicht selbst-ständig, sondern an lebendigen Körpern,da sind sie her, da wollen sic hin.

Ich mache nur Eine Anwendung. Was fürein Wagstück also, eine flache Linie binzumahlenund auf sic Dinqc zu bauen, die eigentlich nur ausdem treusten Genuß und Gefühl und Jnncwerdendes leibhaften Körpers entsprinacn können? Vor-ausgesetzt, daß diese Linie treu ist (und wie schweres sey, einen Körper zur Flache, ein ganzesLebende in die Figur einer Linie zu bringen,weiß jeder, ders versucht hat) gehört nun nicht nochimmer der pla sti sc he Sinn dazu, die Liniewieder in Körper, die platte Figur in eine rundelebende Gestalt zu verwandeln? und wiewenige das können, mag Gott und die Physiogno-mik wissen! Es könnte über und gegen das, wasSilhouette, Sbozzo, bloßer Umriß, gleich-sam ein gezeichnetes Nichts ist, nie so rielAlbernes gesagt seyn, wenn allen Sehern Sinn bei-wohnte, dies Nichts erst in cin treues Etwas zuverwandeln, ihm gerade nie Mehr zu geben oderminder darin zu vermuthen, als eben nur di.serUmriß, das umschrankte Nichts zeigt. Denn eb>ndazu sagts so wenig, um, was es sagen soll,scharf, treu und ganz zu sagen. Und ebendas ist das sicherste Kennzeichen, daß wir, was cssagt, verstehen, wenn wirs uns-k ö r p c r I i c h m a-