Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
465
Einzelbild herunterladen
 

465

Sevcrin erklärte, daß das nichts ändere, und wiedas leicht geht, nach großer, anhaltender Freude thutsich plötzlich unversehens eine Verstimmung auf; sogeschah es auch hier. Die Brüder fühlten sich zurück-gesetzt, aber Brosi verstand es, ihnen die Sache deutlichzu machen und schloß damit:

Es bleibt ein Jedes was es ist. Im geraden Wegbraucht eines das andere nicht und im ungeraden wirdeuch der Severin schon beistehen. Haltet nur getreulichzusammen, wenn eure Eltern auch nunmehr da sind."

Diese Mahnung verfehlte ihre Wirkung nicht undwenn auch nicht in Heller Freude, so doch in stillergesättigter Beruhigung ging man auseinander, zumalda Severin noch kurz versprach, stets der Seinigeneingedenk zu bleiben. Am andern Morgen als Severinund Agy nach der Residenz abgereist waren, sagteBrosi immer:

Ich weiß nicht wie mir ist, mir fehlen die Kinderin allen Ecken, ich kann mir's gar nimmehr denken,wie's einmal gewesen ist, wo wir noch gar nichts vonihnen gewußt haben."

Jetzt da Severin fort war, hatte Brosi im Gedenkenan ihn fast noch mehr Freude von ihm, als währendseiner Anwesenheit. Er gab Moni recht als sie sagte:

Er ist doch ein prächtiger Mensch, er redt nichtviel, aber jedes Wort von ihm ist wie ein Eid, dakann man Häuser drauf bauen."

Auerbach, Dorfgeschichten, 3, Band,

30