Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
126
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mit neubackenem Brod überschütteten Anrichte die Herrindes Hauses, eine stattliche Wittwe, saß, nähte undsich von den Ankommenden erzählen ließ und ihnenBescheid gab, ohne sich zu irgend Jemand zu drängen.Es gab vielleicht keinen zweiten Menschen im Lande,der die innersten Verhältnisse desselben so genau kannte,als die Frau Rautenwirthin, sie machte aber von ihrerWissenschaft keinen Gebrauch, außer in seltenen Fällen,wenn sie von alten Hausfreunden um eine Nachrichtangegangen wurde; sie wendete vielmehr ihre ganzeMacht auf die Negierung ihres Hauses und diese gelangihr vollkommen, denn sie herrschte unbedingt. Vonihren drei Töchtern hatte die eine die Aufsicht in derKüche, während zwei die Gäste bedienten, die beidenSöhne versahen die Bäckerei und Metzgerei und Allegehorchten der Mutter mit unbedingter Unterwürfigkeit,ja die Söhne bekamen Sonntags von der Mutter einTaschengeld ausbezahlt und fanden diese Abhängigkeitvollkommen in der Ordnung, und wenn die Rauten-wirthin zwei, dreimal des Tages durch das Haus ging,konnte man sich darauf verlassen, daß Alles vomMorgen bis zum Abend in fester Ordnung sich hielt,denn die Knechte und Mägde, durch das Beispiel derKinder belehrt, waren ebenfalls voll Gehorsam undPflichterfüllung, und wer aus dem Rautenkranze sichanders wohin verdingte, konnte bei gutem Lobe zehnDienste in einer Stunde haben. Nie hörte man einenZank im Hause, willfährig geschah die Handreichungvon einem zum andern, der Pflichtenkreis eines Jedenwar fest abgemessen, es konnte Niemand aus seiner