Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
105
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Er ging mehrmals mit schweren Schritten dieStube ans und ab und stand wieder vor dem Mädchenstill und sagte:

Warum hast denn ein so schlechtes Kleid an?Hast keine besseren?"

Freilich, ich Hab' ja die zwei, die ihr mir ge-schenkt habt, aber ich will sie sparen."

Du weißt ja," fuhr Diethelm auf, ich kann nichtleiden, wenn eines von den meinigen so verlumpt da-her kommt. Mein' Frau muß dir von der Franz einanderes Kleid geben. So darfst du nicht durch dasDorf. Ich will der Welt zeigen wer ich bin."

Wuth gegen die Welt, die seinen Ehrennamen sogrundlos angriff und ein freudiger Hohn, daß er esin der Gewalt habe, Rache zu nehmen, alle bösenNachreden zu Schanden zu machen, kochten in seinemHerzen. Er stand gerechtfertigt vor sich da, dasSchlechteste zu thun; muthete man ihm ja das Schlech-teste zu, und Niemand hatte ein Recht oder einenGrund dafür. Das Mädchen, das sich wohl auf einenscharfen Zank gefaßt gemacht hatte, schaute mit gefal-teten Händen wie anbetend zu Diethelm auf, der ihmliebreich die Wangen streichelte, denn ein freudigerGedanke erhob ihn; sichtbarlich zeigte es sich ihm, ermußte die That thun, um die Stütze seiner Familiezu retten. Die ganze Macht seiner Familienliebeerwachte in ihm, nicht für sich, für alle seine An-gehörigen mußte er der bleiben, der er war, allesVerdammungswürdige in seiner That war nur ver-kannte Tugend.