Druckschrift 
3 (1853)
Entstehung
Seite
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Hürde an Hürde darin die Schafe eng zusammen-gedrängt, theils lagen, Heils standen und wicder-kautcn, Alle aber waren lautlos und das allezeitblöde Drcinsehen der Schafe hatte fast noch etwasGesteigertes. Knaben mit flüssigem Zinnober in of-fenen Schüsseln liefen umher und gesellten sich znGruppen, wo mit lautem Geschrei und heftigenGeberden gehandelt wurde. Händler stiegen in dieHürden, zogen den Schafen die Augenlider auf undschauten nach den Zähnen, Andere bezeichnten mit einerin Zinnober eingctauchten Schablone die Eingekauftenund zählten dabei, dort sprang eine Heerde luftig ausder geöffneten Hürde, sich in der wiedergcwonncnenFreiheit überstürzend, überall war buntes lebendigesTreiben. Der Schäfer Medard kam Diethelm ent-gegen und sagte, daß er noch nicht verkauft, aber sichereHoffnung habe. Nun einigte sich Diethelm schnell mitdem Steinbauer und kaufte ihm seine Zeithämmel(jährige) ab und nahm auch die Bracken dazu.

Er eilte mit dem Steinbauer in das Kaufhaus,ihnen vorauf lief das Gerücht, daß Diethelm bereitsSchafe cingekauft habe und auch für die Wolle diebesten Preise bezahle. Diethelm war aber noch nichtzum Wolleinkauf entschlossen, er hatte diesen Gedankennur so in leichtfertiger Prahlerei hingeworfen um zuverdecken, wie sehr es ihn zum Verkaufen auf denNägeln brenne; jetzt wurde ihm das Vorhaben immergenehmer und mit seltsamem Blicke betrachtete er seinenGenossen mit dem mehr als mannsgroßen Stocke, mitdem schlichten Anzuge und der selbstzufriedenen Miene;

Auerbach, Dorfgeschichten, 3.Band. 2