378 H. Antiquarische Aufsätze.
kurz diese Bildsäule, die nach Plinius Zeuqniß dergelehrteste Römer, M. Varro, allen andern BildernGriechenlandes vorzog, ward durch den glücklichenWitz eines unrecht - beleidigten Künstlers zu einemHeiligthum Gciechenlandes, welches Athen selbstjetzt außer seinen Mauern einem kleinen Flecken be-neiden mußte. Mehr als Ein Epigramm ward aufdie berübmte Bildsäule gemacht, deren schöne IdeeNemesis selbst dem Schüler des Phidias einge-haucht zu haben scheint: * *)
mit deutlich, warum Agorakritus seinem Bildede» Zweig und die Schale lassen konnte; es solltenicht eine Nemesis überhaupt, sonder» eine Ne-mesis des Sieges d e r A t h e n i e ns e r seyn,die also auch Symbole haben konnte, die aufeinen glücklichen Ausgang deuteten, wie sie inandern Denkmalen der Sieg, die Freude,der gute Ausgang auch wirklich hatte. —Uebrigens gilt von dieser Sage, was von sovielen andern Kunst - und Künstlersagen gilt:wäre sic nicht wahr, so verdiente sie cs zu seyn;„sie ist glücklich erfunden. "
*) Wenn Parisanias, Plinius, Strabo,Mela, Hesychius u. f. von dieser berühm-ten Statue der Nemesis zu Rhamnus, mitveränderten Umständen reden; so sind dies leichtzu vereinigende Variationen einer Künstler-sage, deren es in der Geschichte der Kunst viele, giebt. Das Wesentliche bei dem Bilde selbst hatkeinen Zweifel.