II. Antiquarische Aussätze.
36Z
Gefühle, auch der Begeisterung und deS Abscheusfordern uns durchs Leben, ob man gleich im Altervon wie Manchem zurückgekommen ist, was uns be-geisterte und auffchwang! Auf die Jugend wirkendgbcr jugendliche Gesinnungen am meisten; werwollte es aber der Jugend wehren, jung zu seyn,jung zu fühlen ? Plato 's , S h a ftes b u ri' s,Winkclmanns, Mengs Enthusiasmus werdenauf sie ihr unzerstörbares Recht behaupten.
In Allem, was Schon ist, liegt ein Uncndli,ches, ein in deutliche Begriffe nicht zu Fassendes,ein Jndcsinißnblcs. Wo sie nicht genau sehen kann,ahnet die Seele, oft getauscht, oft auf dem Wegeder Täuschung; eben diese aber setzt zum Grunvc,daß hinter dem Schein nicht nur Etwas, sondern soviel Wesentliches scy, daß sich die Seele grob oder-fein tauschen konnte. Da alle Künste des Schönenauf die menschliche Natur Bezug haben, auch vonMenschen dem Schein nach oft wundersam geübtwerden, in der menschlichen Natur aber überhaupt,sowohl in Ansehung einzelner Organe als des Au-sammenklangcs aller Organe etwas Unendliches lie-get, so ist es kein unwerthes Zeichen, wenn jemand,bei übrigens klaren Begriffen, tiefer fühlt, weiterhinsiehet und höret. Das Zuweit wird wohl die Zeitründcn und abthun; den Mangel aber ersetzt sieselten.
Wenn mit dem Leben, mit dem Bemühn undWirken nickt Lust verbunden wäre, wer wollte le-ben und wirken ? Mit dem Urthcilcn und Genießennicht anders; aus Lust und Unlust ist die Mensch-heit gewebet, in dies Meer ward ihre Form getan-