26
I. Vom Erkennen und Empfinden
unsrer Seele mit Nacht bedeckt ist! Unsre armeDcnkerin war gewiß nicht im Stande, jeden Rcitzdas Samenkorn jeglicher Empfindung, in seinen er-sten Bestandtheilen zu fassen ; sic war nicht im Stan-de, ein rauschendes Weltmeer so dunkler Wogen lautzu kören, ohne daß sie es mit Schauder und Angst,-mit der Vorsorge aller Furcht und Kleinmüthigkeitumfinge und das Steuer ihrer Hand entfiele. Diemütterliche Natur entfernte also von ihr, was vonihrem klaren Bewußtsein nicht abbangen konnte,wog jeden Eindruck ab, den sie davon bekam, undsparte jeden Eanal aus, der zu ihr führte. Nuntrennet sic nicht Wurzeln, sondern genießet Blütbe.Dufte wehen ihr aus dunkel» Büschen z», die sienicht pflanzte, nicht erzog: sie steht auf einem Ab-grunde von Unendlichkeit und weiß nicht, daß sie dar-auf stehe; durch diese glückliche Unwissenheit steht siefest und sicher. Nicht minder gut für die dunkelnKräfte und Reitze, die auf so subalternem StandortMitwirken müssen; sie wissen nicht, wozu? könnenund sollens nicht wissen; der Grad ihrer Dunkel-heit ist Güte und Weisheit. Ein Erdklos, durch-baucht von Lebensakhcm des Schöpfers, ist unserLcimengebaude.
2. Sinne.
Unterlag unsre Seele dem Meere kommenderWellen von Reitz und Gefühl von außen: so gab
uns die Gottheit Sinne; von i n n e n, so webtesie uns ein Nervcngeb ä u d e.