Vorrede des Herausgebers.
Dem nachfolgenden Werke des verewigten Her-ders glaubt der Herausgeber eine kurze Geschichteseiner Entstehung und Schicksale, so weit er sie au-thentisch geben kann, versetzen zu sollen.
Der Verfasser hatte bereits seit 1767 durch ver-schiedene kritische, philosophische und ästhetische Schrif-ten seinen literarischen Ruhm begründet, als er 1774.mit der ältesten Urkunde des Menschen-geschlechtes zum erstenmal*) als theologischerSchriftsteller auftrat, und mit Inhalt und Schreib-art derselben ein allgemeines Aufsehen und die wi-dersprechendsten Urtheile über sich erregte. Die Haupt-idce dieses Werkes, die Entrarhselung der Schöpfungs-urkunde, hatte er schon als Jüngling entdeckt, und siekommt, im Wesentlichen, bereits im allerersten nochvorhandenen Entwurf dazu vor, den er schon zu Riga,noch vor »769, schrieb **). Zwar ist in demselben nochein etwelchcr, doch der letzte Kampf seiner frcjern Ansich-ten mit den Begriffen der damaligen Dogmatik un-verkennbar; was er aber darin von den cinzigrichti-gen Grundsätzen Her Interpretation orientalischer Poe-sien, zumal ihrer ältesten Reste, sagt, beweiset, daßer den individuellen Charakter derselben
*) Die Briefe zweener Brüder Jesu erschienen erstim folgenden Jahre.
**) Einige Fragmente desselben sind in den Anhangzum zweiten Bande (dieser Ausgabe) eingerückt.