298
erfahrenes Auge entdeckte alsbald das besondere Tau, welches diearme Ghita in so kurzer Zeit ihres Großvaters berauben sollte,während es sich für diese selbst, so wie für ihren Oheim unter derMasse des Tanwerks verlor, von welchem es umgeben war.
Zehn Minuten mochten unter diesem feierlichen Schweigenverstrichen sein; die Zahl der Boote schien unterdessen immer nochzuznnehmen, und ans den verschiedenen Schiffen ertheilte mander Mannschaft die Erlaubnis;, sich Punkte zu suchen, von denensie ein Schauspiel mit ansehen konnten, das ihnen, wie manhoffte, als kräftige Warnung dienen sollte.
Ans einem Kriegsschiffe gehört es zu der Etikette: „die Mann-schaft so dicht wie möglich beisammen zu behalten," denn manhält cs fiir ein Zeichen eines wohlgeordneten Fahrzeugs, wennrecht wenige Leute sichtbar sind, die Fälle natürlich ausgenommen,wo der Dienst cs mit sich bringt, daß sie sich blicken lassen. Diesestrenge Regel hatte man übrigens für den jetzigen Moment außerAngen gelassen, und die gährenden Massen, welche die Minervarings umwogten, hatten Tausende von Zuschauern dahin gesendet,welche, Bienen gleich, an den Masten hernmschwärmten.
Mitten unter diesen Zeichen der Erwartung ließ sich ans demFvndroyant die Bootmanns-Pfeife vernehmen; vier Ehrenpostenzeigten sich auf der großen Fallreepstreppe — eine Achtungs-bezeigung, welche keinem Offiziere unter dem Range eines Kapi-täns erwiesen wurde. Raoul's Boot war blos fünfzig Schrittevon jener Stelle entfernt; in »nissiger Neugier drehte er denKopf, um zu sehen, wer wohl in das Langboot steigen würde,das am Fuße der langen Treppenflncht angelegt hatte.
Ein Fremder mit zwei Epanletten kam zuerst; ihm folgten zweiHerren in Civil und ein Scelieutenant: sic stiegen einer nach demandern herab nnd setzten sich im Boote nieder. Im nächsten Augen-blicke senkten sich die Ruder: das Boot wirbelte rund herum, andem Spiegel des Fvndroyant vorüber, und kam schnurgerade gegen