Unterredung zu verwenden geneigt schien, läßt sich wohl mit Sicherheitschließen, daß ihm dieselbe höchst angenehm mar; Naonl dagegenkonnte nicht umhin, diesen Aufschub als einen der härtesten Diensteanzusehen, denen er sich noch jemals unterzogen hatte. Vito Vitiseinerseits suhlte sich ganz erbaut, und machte auch keinen Hehldaraus, sondern gab seine innere Zufriedenheit zu wiederholtenMalen durch Ausdrucke des Entzückens zu erkennen, und wagte nurhie und da eine Bemerkung, wie wenn er ausdrücklich seine eigeneUnwissenheit hätte knndgeben wollen.
„Ich habe Euch schon oft groß gesehen, Vicestatthalter," riefer, als Andrea endlich mit einer Abhandlung über die frühere Ge-schichte aller nördlichen Völker — die Dissertation hatte eine vollehalbe Stunde gedauert — zum Schlüsse gekommen war, „noch nieaber so groß, wie an dem heutigen Abend. Ja, Signore, heuteNacht seid Ihr in der That bewunderungswürdig gewesen! Nichtwahr, Signor Smees? Glaubt Ihr nicht auch, daß ein Profes-sor zu Pisa oder selbst zu Padua diesen Gegenstand nicht er-schöpfender hätte abhandcln können, als es hier vor unsereneigenen Ohren geschehen ist."
„Signor Podesta," crwiederte Raonl, „so lange ich den Wortendes Herrn Vicestatthaltcrs lauschte, hat nur ein Gefühl meineSeele beschäftigt, nämlich das des tiefsten Bedauerns, daß meinStand mich von all' den reichen Schätzen einer solchen Gedankentiefeansschließen mußte. Doch ist uns jedenfalls erlaubt, das zu be-wundern, was wir selbst nicht einmal nachahmen können."
„Sehr richtig bemerkt, Signore," antwortete Andrea mit wohl-wollender Herablassung; „doch mit Gaben, wie die Enrigen, SirSmees, ist cs nicht so sehr schwer, das, was wir bewundern, auchnachznahmen. Ich will ein Verzcichniß derjenigen Werke anfsetzen,die ich Eurer Lectnre empfehlen möchte: wenn Ihr zu Livorno oderNeapel cinsprecht, könnt Ihr Euch die Bücher alle zn mäßigenPreisen verschaffe». Morgen früh sollt Ihr die Liste neben dem