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herrschte — „ich weiß, du fandest ihn so — würdig, das Ober-haupt einer uralten, wahren Kirche zu sein. Meine Augen habe»ihn noch nie gesehen, aber ich weiß, daß dies; die Wahrheit ist."
Raoul wußte wohl, daß die Laxheit seiner religiösen Ansichten— die bei dem damaligen sittlichen Zustande seines Vaterlandesgleichsam auf ihn vererbt worden waren — Ghita allein noch ab-hielt, alle andern Bande von sich zu werfen, und für immer allesWohl nnd Wehe mit ihm zu theilen. Doch war er zu offen und edel-gesinnt, um sie betrügen zu wollen, dabei aber auch von jeher vielzu umsichtig, als daß er ihren tröstenden Glauben, ihr schönesVertrauen zu erschüttern versucht hatte. Gerade ihre Schwache —denn in diesem Lichte erschienen ihm ihre Ansichten — hatte eineneigenen Reiz für ihn, denn nur wenige Männer, so sehr sie sichselbst als Freigeister oder Skeptiker zeigen mögen, finden Vergnügenan dem Anblick eines Weibes, das die Ungläubige spielt, nnd erhatte nie zärtlicher in ihr ängstliches, aber liebliches Antlitz geschaut,als eben in diesem Augenblick, da er ihre Frage mit einer Wahr-heitsliebe beantwortete, welche in der That an Großherzigkeit gränzte.
„Du bist meine Religion, Ghita!" sprach er; „in dir verehreich Reinheit und Heiligkeit nnd —"
„Nein — nein, Raoul, das darfst du nicht — halt ein; wenndu mich wahrhaft liebst, sprich nicht mehr so fürchterliche Got-teslästerung. Sage mir lieber, ob du den heiligen Vater nichtso fandest, wie ich ihn beschrieben habe?"
„Ich fand in ihm einen friedfertigen, ehrwürdigen nnd — ichglaube zuversichtlich, auch einen guten Greis, Ghita, aberweiternichts als einen Menschen. Von Unfehlbarkeit konnte ich nichtsan ihm bemerken, wohl aber sah ich seinen Stuhl von einer Rottespitzbübischer Kardinäle und anderer Unglücksstifter umgeben, dieweit besser dazu geeignet waren, einen ehrlichen Christenmenschenan der Nase herumzuführen, als ihn gen Himmel zu leiten."
„Sprich nicht weiter, Raoul — ich will nichts mehr davon