III. Persepolitanische Briefe. 27S
Kultur stehet, nachdem wird diese erste Einrichtung,die Grundfaden des künftigen Gewebes, zart odergrob, schlicht oder verworren, viel oder wenig-um-fassend. Wie sie aber auch sey, kann sie nicht an-ders als zeit- und ortmaßig erklärt werden, da vonihr alles ausgeht.
Je mehr ein Volk in moralischen Begriffenoder überhaupt in der Kultur steigt, desto mehr wer-den diese den alten Gebrauchen und Satzungen zwi-schengewebet; es wird ein feinerer Sinn in sie ge-legt; sie werden nach Haupt- oder Nebcnbegriffenpolirt und excoliret. Hat ein Volk mit andern Völ-kern Umgang, ist es geneigt, fremde Begriffe auf-zunchmen und sich zuzueignen: so werden diese un-vermerkt ein reicher Einschlag werden, und mit dendadurch erscheinenden Figuren dem alten Gewebe viel-leicht eine neue Gestalt geben. Hat das Volk Über-bein einen geltenden Hof, eine glanzende, gar er-obernde Monarchie, macht cs einen konstituirten undgesetzgebenden Staat aus: so wird auch sein Reli-gions-System eine Hof- und Staatssorm annchmen,wobcy die ersten einfachen Faden, die dennoch Allemzum Grunde liegen, beynahe unsichtbar werden.
Dauert endlich eine Religions - Verfassung solange, daß sie, ihrem ersten Zweck nach, sich gleich-sam selbst überlebet: so kann sie nicht anders alsmüßig über sich selbst spckulircn. Je geist- undschriftreicher die Nation oder die Zunft ihrer Weisenist, desto feiner werden diese Spekulationen gerathen,und, mit den Ideen fremder Nationen in Kampfoder Bewegung gesetzt, desto bunter und mächtigerwirken. Dies ist der Geschichts-Kalender, wie meh-Philos. u. Gesch. I. LH. S D" ^oru-e/t.