Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 1 (1820) Die Vorwelt
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

178 IH. Persepölitanische Briefe.

Repräsentant der gezähmten, der Mensch ein Bildder vernünftigen Schöpfung. Da diese Vorstellungaus zwcyen an sich ganz verschiedenen Formen, Jc-saias und Ezechiels, zusammengesetzt ist: so hat siemehr Große, aber weniger sinnliche Bestandheit. Dieimmer regsamen, rufenden Gestalten stehen nicht anihrem Ort: denn sie schweben nicht, wo das Schla-gen ihrer Flügel verhallet, in den Wolken. Auchwechselte im altern Propheten Ruhe und BewegungKey ihnen ab; die Blaue des Himmels sowohl alsder Regenbogen umgaben den im Acther Thronendenfceyer und schöner, als den König dieses eingeschlos-senen Tempelpallastes.

Der Seher, der dies Gesicht schilderte, dachtenicht, daß in der Deutung der Nachwelt er selbsteins dieser vier Embleme werden würde. Er wards.Die christliche Einfalt, die ihre vier Evangelien mitden vier Weltgegcnden verglich, fand, obgleich nichtmit einstimmiger Deutung, die vier Thiele im Cha-rakter ihrer vier Evangelisten. So wurden dann dievier Gestalten, die einst Repräsentanten eines Volks,sodann der ganzen lebendigen Schöpfung gewesen wa-ren , Symbole eines Evangeliums, auf welchem sich,nicht mehr der furchtbare Donnerer, der versöhnte,segnende Vater zu den Menschen senkte. In dieserBedeutung empfing Raphael die Idee, und 0! wiehat er sie dargestellt und verkläret ! Wer sollte glau-ben, daß vier disparate, zum Theil rauhe Gestalten,zusammentreffcnd in den Wolken, sich zu einer soleichten, erhabenen , fried - und freundlichen Gruppemahlerisch bilden würden. Gütig herabschaucnd, seg-nend mit beyden Händen schwebt der Ewige nieder;zwey kindliche Genien hangen, als ob sie solche er-