Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
Entstehung
Seite
278
Einzelbild herunterladen
 

2?3

II. Dichtungen.

armes menschliches Erschöpf können, das nur zweyAugen und Einen Menschenverstand bar, weil es jaauch nur Ein Herz haben sollte. Ist euer Verstandgesund und auf guter Hut: so laßt er nichts Unrech-tes oder zweydcutiges durchpassircn, fordert dem Pas-sagier d.n Paß ab, durchsucht auch wohl sein Fell-eisen. Wenns an die Taschen geben soll, must Ver-dacht da seyn; und freylich auch hier ist Irrung-'lich. Indes wenn der Thorschreiber redlich undgesch id ist, wenn er auch selbst aus seinen Fehlernlernt: so wird er mit der Zeit immer weniger Jrr-tbümcr machen, und das ist alles, was man vonihm fordern kann. Nur um Gottes willen, Kinder,reißt das Thor des Verstandes nicht ein, weil seinTborschreiber Fehler machte; es ist und soll billigdas einzige und Hauptthor zur Menschheit seyn; allesübrige sind nur Schleichwege und Hinterpförtchen.

Die Knaben klatschten und singen an, ein gros-ses Thor, mit sammt der Thorfchreibersbude zu mah-len. Das Thor selbst gericth frei), hübsch und licht:es hatte einen schönen Bogen und die Ueberschrift:

Dem Verstände.

Sic wollten auf beyde Flügel noch binzusetzen : den»sein Eindruck ist wahr und ewig; als ihnender verwünsch e Thorschreiber ins Auge siel, dessenBude ihrer Aufschrift wirklich ein Pasquill machte:denn wenn alle Eindrücke des Verstandes wahr undewig waren, so brauchw kein Thorschreiber zu seyn.Ihre Aufschrift auf die Thorflügel hatte nichts ge-sagt, als: unbrs Lhorschreibcrs Bude, Protokollund Wachsamkeit ist wahr und ewig, und das woll-