Drittes Wäldchen.
187
tern, (denn sie sind die ältesten,) sodann bei Grie.chen und Römern, Tugenden und Leister und ab-strakte Ideen von allerlei Art fast immer eine andreGestalt gehabt, als bei unS, wenigstens hie und davon einer Nebenseite angesehen worden, die sie beiuns verlohren. Oft ist das allegorische Bild einerTugend, einer abstrakten Idee nach griechischer Artmit dem Namen derselben nach dem Sinne unsererZeit, eine Gesellschaft zwoer Personen, die sich sehrseltsam zusammen finden.
Noch eine augenscheinliche Folge. Dichter ha-ben den Alten ihre Allegorie und Sprache an ge-bildet: national war also ihre Bildersprache, undwenn sie entlehnt war, so wurde sie nationalisiret.Der Unterschied wird wichtig: denn bei uns ist eineBildersprache, so patronymisch nicht. Dort konntealles auf einem Wege fortgehcn: derDichter haltedurch seine poetische Bildersprache das Volk gebil-det: der Weise, der nach ihm kam, trat, so vieler konnte, in seine Fußstapfen: er bediente sich desBildcrschatzes, den jener in die Sprache gelegt,nach seinen Zwecken: er bildete die Allegorien deSerstem zu Wesen seiner Art um: er wurde einPlato gegen einen Homer. An seiner Hand giengder dritte Mann, der Künstler, und erhob jeneBildersprache der Dichter und Weisen zum schönstenAnschauen. Die Götter, die der Dichter demVolke sang, und der Weise erklärte, schuf derKünstler ihm vor: die Ideen, die cs in alten ge-erbten und frühcrlerntcn Gesängen auf der Zunge,und aus dem Munde des Weisen gleichsam im Obrehatte, standen ihm in den Werken des Künstlers
.0