Zweites Wäldchen. rg3
Aber das ist Schade, daß man auf der andernSeite rettend fast immer zu weit gegangen, unddamit Virgils guter Sache selbst geschadet. 'TieEkloge soll bloS poetisches Excrcitium, soll ganzohne die geringste lebendige Anspielung, Eorydonund Alexis sollen ganz romantische Wesen scyn, unddies ist freilich, nach dem, was Martial und Apu-lcjus sagen, zu viel verneinet. Virgil kann immerder verkleidete Eorydon, Alexis immer der schoneJunge des Pollio, die Ekloge immer ein Jndivi-bualgcdicht scyn: nur es ist eine poetische Maske-rade; ein feines Lobqedicht, ein luclicruiri, nachTheokrits Manier.
Man lhut also am besten, wenn man dieseentwickelt, wenn man die dem Griechen nachge-ahmten Stellen anmerkct, wenn man zeigt, daßder ganze Bau des Gedichts kcine Halbgeschichte,und keine Halbpoesie zulasse, baß der Poet nachseinem Plane einmal so habe dichten müssen, daß— doch was zahle ich das her, das in der letz-ten, schönsten Ausgabe Virgils so fein und genau*)erfüllet worden. Es ist keine Parteilichkeit, wennich bekenne, daß die Heynische Ausgabe Vir-gils die erste in ihrer Art scy, und daß sie indem bisher so sehr versäumten Geschäfte, einenSchriftsteller des Alterthums in dem eigenen Ge-schmacke desselben, jedes Wort und jede Note anihrer Stelle, neu und unentbehrlich, ohne den
*) kl, x>. tg, sto.