Zweites Wäldchen,
Allegorie Wahrheit cinkleidcn soll, damit sie mehrentnehme., und starkem Eindruck mache, so mußsie dieselbe nicht verdecken, und den Augen weg-stehlen. Das Frappante, das Außerordentliche imersten Anblicke dev Entwickelung gefallt, undlässt dauerhafte Spuren in der Seele; wird miraber seitenlang die Mühe des Entwickclns zum or-dentlichen Geschäfte gemacht; soll ich nicht dieFrucht hinter den Blattern unvcrmuthct erhaschen,sondern zum Tagwerke Blätter klauben, eine ganzeFiction hindurch die allegorischen Masken entklei-den , und bei jedem Auge neu entkleiden; warumließ mich, da es hier blos auf Wahrheit undMühe ankommt, der Dichter die Wahrheit nicktnackt sehen? ohne Mühe der Entkleidung? ohnelanges Gesuch?
Nichts bleibt übrig, als kleine Gedichte, oderEinfalle in Gedichten: Bilder, Gleichnisse! Epi-gramme , Lieder, Oden — „Bilder und GlcichNis-„sc?" wohl! und die alte Mythologie ist voll schö-ner Allegorien ! Epigramme ! Ein Epigramm istein Bon-Mot in der Dichtkunst » es gefalle durchseinen Stachel, oder seine außerordentliche Simpli-citat. Aber Lieder? Oden? Selten könnenlange durchaus allegorische Lieder undOden gefallen! Ich danke es Uzen, daß er mirseinen schönen Morpheus als einen Traumgott,nicht als ein allegorisches Gespenst der Träume,verstellt. Ich danke es den Dichtern der Freude unddes Amors, daß sie diesem Gotte, dieser Göttinnicht, als Gespenstern eines abstrakten Begriffes zugut, allegoristren, sondern lieber einem Gotte der