vor zu warnen. Der Begriff der Gottheit, der jetzt,als Hauptcharakter, den Gemüthern der Menschenbeiwohnet, ist erhabner und gereinigter, als daß erein solches Bild ertrüge. In den sinnlichen Zeitender jüdischen Dichter war „furchtbare Macht" gleich-sam der Hauptanblick, mit dem man sich denHerrn dachte; man schrieb, nach einem Idol derErziehung und nach einem herrschenden Acitbcgriffe,dem Wagen Gottes die gewaltigen Donner zu, dieüber das jüdische Land hinzogcn, und dahinaus,auf diesen sinnlichen Begriff, gehen auch die höch-sten Bilder der Propheten. Irre ich nicht, so istdie gemeine Borstcllungsart unsrer christlichen Zeitendarin sanfter. Das erste Bild, das wir »ns vonunscrm Gotte machen, ist viclmcbr das Bild vondem v v l l k o m m e n st e n, weisesten, gütig-sten Wesen, dem Vater, und unsichtbaren Erhal-ter der Welt; als von einem zornigen Donnerer,von einem allmächtigen Weltverwüster. Soll alsoja der Höchste gebildet werden, so zeige man ihnin dieser, für uns der würdigsten Stellung, odergar nicht. Die Propheten des alten Bundes schu-fen Bilder für ihre Zeit, und auch in dieser nichtfür den bildenden Künstler: nicht für denAnblick des Schönen; sondern für poetische Seelen,und in diesen nichts, als der Religionsbegriffe hal-ben. Der Künstler unserer Zeit thatc also Unrecht,wenn er sich solchenfalls damit, als mit biblischenVorstellungen, rechtfertigen wollte; denn der Kunsthat die Bibel wohl keine Bildergalerie liefernwollen.
Es bleibt also nur das Vorbild der alten Kunstübrig, die ihren Jupiter donnerfahcend bildete —