Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 5 (1821) Kritische Wälder ; 2/3
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

Zweites Wäldchen.

42

Absicht auf diese ist das Lächerliche sehr verschieden.Entweder so, daß ich lache, und es der Endzweckdes Dichters war , mein Lachen zu erregen, er thuees crnstbqft oder scherzhaft; oder daß ich etwas Be-lachenswcrthcs erblicke, und verächtlichlache, mich ärgere. So sind mir die üppig lächeln-den Zuschauer bei dcm vorgcdachten Austritte zwieschcn Ulysses und Irus zuwider: sie lachen;aber kaum lache ich mit ihnen. So wird der hässlicheThersites dcn Griechen belach enswer tb; darumaber ist er nicht, um ihnen lächerlich zu scyn.So freuen sich die Götter im Olymp, und der sym-pathetische Leser soll sich mit ihnen freuen. Aufdie Art wechseln die Empfindungen unserer Seeledie Länge eines Gcdichts herab, und nur der kanndas Ganze beurtbcilen, der die ganze Reihe dieserSuccessionen sich auf einmal anschauend machen könn-te. Da dies aber unmöglich ist: so schwimme ichsanft den Strom herab, und folge dem Dichter, derein Gefühl nach dem andern in mir aufruft, jedesmit dcm andern verschmelzet, und die Nißklänge ineinander auflösct: so wird der harmonische Einklangdeö Ganzen.

Ist diese Harmonie bei einer Epopee aber nichtBewunderung? Freilich! Niemand abcr denke, daßdiese Hauptcmpsindung die einzige, eine ganze Epo-pee hin, scyn müsse: denn wcr kann einen langenstarr.n Blick in die Höhe ertragen? Mitleidcn undSchrecken, und Abscheu und Zorn, und Verdrußund Verachtung, alles kann nach einander, an sei-nem Orte, erreget werden, wenn sich nur j.de Em-pfindung so aus einer andern in eine dritte ergi.ßct