Kritische Wälder.
Ohr geht, aber unmittelbar auf die Seele wirket.Diese Kraft ist das Wesen der Poesie, nicht aberdas Coexistente, oder die Succession.
Nun wird die Frage: welche Gegenstände kanndiese poetische Kraft besser an die Seele bringen,Gegenstände des Raums, coexistirende Gegenstände,oder Gegenstände der Zeitsuccessionen? Und, umwieder sinnlich zu reden: in welchem Medium wirktdie poetische Kraft freier, im Raume, oder in derZeit? —
Sie wirkt im Raume: dadurch, daß sie ihreganze Rede sinnlich macht. Bei keinem Zeichenmuß das Zeichen selbst, sondern der Sinn des Zei-chens empfunden werden; die Seele muß nicht dasVehikel der Kraft, der Worte, sondern die Kraftselbst, den Sinn, empfinden. Erste Art der an-schauenden Erkenntniß. Sie bringt aber auch jedenGegenstand gleichsam sittlich vor die Seele,d. i. sie nimmt so viel Merkmale zusammen, ummit Einmal den Eindruck zu machen, der Phantasieihn vor Augen zu führen, sie mit dem Anblicke zutäuschen: zweite Art der anschauenden Kenntnis, unddas Wesen der Poesie. Jene Art kann jeder leb-haften Rede, die nicht Wortklauberei oder Philo-sophie ist: diese Art der Poesie allein zukommen,und macht ihr Wesen, das sinnlich Voll-kommene in der Rede. Man kann also sa-gen, daß das erste Wesentliche der Poesie wirklicheine Art von Mahlerei, sinnliche Vor-stellung sey.
Sie wirkt in der Zeit: den» sie ist Rede.Nicht blos erstlich, so fern die Rede natürli-