Erstes Wäldchen.
hinzu, und es ist ein langer, ganzer, vollendeter Akt,der meine Seele füllet: aber nicht durchs Ausstößen,sondern eben durch das Rückhalten des Ach! Undso kann Winkelmann mit Rccht sagen: Laokoon
leidet, wie des Sophokles Philoktet: nur jener
als Bildsäule, bei welcher ein Seufzer ewig dauret,ewig die Brust beklemmet, und dieser als tragischePerson, die den langen Seufzer endlich mit einemAch! schließen, und den wicderkommenden Schmerzmit einem Ach! empfangen muß, die zwar auf einerSaite des Jammers herum irret, aber mit abgc-setzten, mit langsam wiedcrkommenden, mit etwasauf - und absteigenden , mit Zwischeutoncn des un-terdrückten Schmerzes. Sophokles war also derselbeweise Meister in seinem Philoktet, wie Agesander inseinem Laokoon, und bei beiden zeigt sich, nur nachder Verschiedenheit ihres Vorwurfs, einerlei Weis-heit, den stillen, den prägnantesten Ausdruck zu su-chen, und dem übertriebnen Ausdruck zu entweichen.Und das sagt Winkelmann I
Allerdings ist Schreien der natürliche Ausdruckdes körperlichen Schmerzes *) : nur jede Kunst derNachahmung, und so darf ich auch sagen, jede Gc-dichtart, hat in Nachahmung dieses Ausdruckes ihreeigenen Granzen. Wie abwechselnd ist Homer in derArt, wie seine Krieger, seine Helden niederfallen,und wie wiederholend in dem, was den Niederfallen-dcn und Sterbenden gemein ist; aber weder jene
H Laok. p. st.
Herders W.z.sch.Lit.u.Kunst,IV, B