Theater hincinfallt. Aber bei dem weisen Sopho-kles? — Wie hat er den Ton der Angst abgewo-gen! wie sorgfältig auf ihn bereitet! wie lange un-terdrückt! wie oft unterbrochen! wie sehr durchgängiggemildert! Der ganze Auftritt kann ein Gemähldedes Schmerzes heißen, durch alle seine Grade, vomstummen, bis zum betäubenden Schmerze, der sichselbst gleichsam ertödtet; aber im Ganzen doch dasGemählde des zu r ü ckg e h a lt e ne n und nicht desausgelassenen Schmerzes, dies ists unstreitigbei Sophokles von Anfang bis zu Ende.
Und daher auch die Kürze des Akts, der kurzin Worten, aber lang in der Vorstellung ist. Kämees hier auf „das Schreien, auf die jammervollen„Ausrufungen, auf das aus ge ftoßne und ab-„ge kroch ne häufige « « an" wie Lessing *) will:so weiß ich nichts, was entweder schneller auf ein-ander folgen, oder den Zuschauer unwillig machenmuß. Aber das Aurückhalten, das peinliche Ver-schmerzen, die langen Kampfe mit dem Weh im
Stillen, die endlich mit einer verstohlnen e-> z/.oi f
geschlossen wurden; diese dehnen, dies« schleichen, undsie sind der Hauptton des ganzen Auftritts. Nunsetze man noch den dämmernden Chorus hinzu, derdem entschlafnen Philoktet sein Schlaf-, sein Ru-helied, in sanften langsamen Zügen singet, undhier nicht blos den Akt beschließet, sondern selbst imAkte ist; denn der schlafende Philoktet lieget demZuschauer vor Augen; diesen, sage ich,, setze man
hinzu,