Vorrede.
IX
wenn sie auch zu ihrer Zeit einen Nutzen gehabt bat.Eine genaue ausführliche Kritik gebührt nur Schrif-ten , welche in ihrer Art vorzüglich sind, und wo sichaus der Beurtheilung etwa« lernen laßt, wenn nurdiese Beurtheilung gründlich, mit größerer Einsichtund ticfeindringendeni Verstände begleitet ist; dennein oberflächliches, leidenschaftliches, sophistisches Ge-wäsch entehrt seinen Verfasser, vernichtet sich selbst,und dient, den Werth der kritisirten Schrift nur destomehr zu bewahren.
Bei diesen Betrachtungen blieb übrig, sich nachder Ankündigung der Ausgabe der Herdcrischen Schrif-ten zu richten, und sie zur Vorschrift der Revision an-zunehmcn: „Es soll nur das behalten werden, was
würdig ist, auf die Nachwelt zu kommen, was wirk-lich lehrreich, auch über den Zeitpunkt, in welchem csgeschrieben ist, hinaus siyn kann." Aus den geführ-ten Eontrovers wird also nur so viel zu behalten se»n,als nvthig ist, den Streitpunkt ins Licht zu setzenund die Gründe deutlich und geltend zu machen. DerTon und die Lebhaftigkeit, mit welcher der Streitgeführt ist, wird aus alle Weise zu mäßigen seyn; sowie sich von dem weisen Herder der spätern Jahre er-warten ließ, daß er den Ton selbst angegeben habenwürde. Aber auch dies batte seine Schwierigkeiten;sobald es an das Abkürzcn kam, mußte nicht derbestrittene Schriftsteller gehört, mußten nicht seineWorte, so weitschweifig sie waren, angeführt werden ?Sollte ich auf der andern Seite die Worte des Be-streitenden ganz von dem polemischen Gewände entklei-den ? ein nacktes Skelet liefern? wie wäre derAnblick auszuhalten! wie ließ sich ein Laxut irior-