VI
Vorrede.
hielt das Geschick in jenen Studien zurück, zu wel-chen ich aus einer andern Lebensweise erst vor weni-gen Jahren berusen war; ich begleitete Herder» nurvon weitem mit meinem bewundernden Blick. Les-sings Behauptungen im Laokoon, die man damalsunbedingt als Kunstgesctze annahm, behagten meinemeinfachen geraden Sinn und Gcfüblc wenig; leichtward ich also für die kritischen Wälder eingenommen,ebne zu wissen, wer ihr Verfasser sen. Zwar warich gegen de» jugendlichen Uebcrfluß in der Ausfüh-rung, gegen die vielen Wiederholungen der Beweise,nicht blind; aber durch wie viel andre treffliche Vor-züge, neue Einsichten und Aufschlüsse, selbst denblühenden Styl, wurden jene Mangel vergütet! DerScharfsinn , mit welchem ich Lcssing's Satze geprüfet,seine sophistischen Spitzfindigkeiten berichtiget sah, kammeinen eignen Ansichten und Gefühlen so wohlkhätigzu statten, daß, wie ich weiterhin erfuhr, wer derVerfasser fey, ich mich gegen diesen-zur hochach-tungsvollen Freundschaft gestimmt fühlte. Wie hätteich geahnet, daß mir einst das traurige Loos be-stimmt seyn sollte, seine Wälder, die eine Ausbesse-rung von seiner eignen Hand erwartete», mir zu ei-ner ähnlichen Absicht anvertrauet zu sehen!
Bald nach dem ersten Wäldchen erschien daszweite und dritte, über einige KlotzischeSchriften. Hier, gestehe ich es, verließ ich denmir damals, so viel ich mich erinnere, noch un-bekannte» Verfasser des erste» Wäldchens über, Les-sing's Laokoon. Ich kannte Herrn Klotzen, ichwußte, wieviel sich aus ihm lernen und nicht lernenließe. Da ich meine Lektüre blos auf das Nöthige