46 »
„Außer, daß ich Euch Beweise gebe, Hoheit, daß Jacopo keinsolch' Ungeheuer ist, als sie aus ihm macheu wollen. Ich weiß nicht,aus was für geheimen Gründen der Rath den jungen Mann zueinem Betrüge bewogen hat, der beinahe so unglücklich geendethätte; jetzt aber, da Alles aufgeklärt ist, habe» wir nichts zu fürchten.Kommt, Vater! wir wollen den guten und gerechten Dogen zurRuhe gehen lassen, wie seinen Jahren zukommt, und wollen zurück-gchen, Jacopo's Herz aufzuheitern durch die Nachricht von unseremErfolge, und wollen der gelobten Maria für ihre,Gnade danken."
„Halt!" rief der Greis mit erstickter Stimme. „Ist es wahr,was du mir gesagt hast, Mädchen? Vater, kann es so sein?"
„Signor, ich habe Alles wahrhaft gesagt, wie mein Gewissenmich trieb."
DeS Fürsten Auge schweifte wild von dem bewegungslosenMädchen zu dem gleichfalls unbewegten Mitglicde der Dreie hinüber.
„Tritt hierher, Kind," sagte er, und seine Stimme zitterte,„tritt her, daß ich dich segne." Gelsomina trat schnell vor undließ sich vor dem Herrn auf ihre Kniee nieder. Nie hatte VaterAnselmo einen lauteren und glühenderen Segen gesprochen, als jetztvon den Lippen des Dogen von Venedig floß. Der Letztere hobsodann die Tochter des Gefangenwärters aus und bedeutete die beidenGäste, sich zu entfernen. Gelsomiua gehorchte gern, denn ihr Herz,voll Begierde, ihren Erfolg mitzutheilcu, war schon in Jacopo'sZelle; aber der Karmeliter warf noch einen zögernden Blick zurück,als ein Mann, der besser bekannt war mit den Wirkungen weltlicherPolitik, wenn diese mit dem Interesse solcher Leute zusammenhängt,welche die Herrschaft zum Vortheil der Bevorrechteten anwendcn.ImHinausgcheu aber war seine Hoffnung neu belebt; denn ersahden greisen Fürsten, unfähig, sein.Gefühl länger zurückzuhalten, mitausgestrcckten Armen, mit thränencrfüllten Augen, mit einem Blicke,in welchem sich Verlangen nach der Freude menschlichen Mitgefühlslebendig aussprach, auf seinen schweigsamen Gesellschafter zueilen.