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getäuscht wurde, brauchen wir nicht erst anzuflchren. Vielesward auch geredet zum Ruhm der gerechtigkeitliebcnden Republik,denn Unterdrückte sind immer kühn im Lobe ihrer Beherrscher, undda wagt wie ein furchtlos freier Mann auch Der zu reden, welcherJahre lang in allen öffentlichen Angelegenheiten stumm war.
Der Tag verging jedoch ohne irgend ein neues Ereigniß, welchesdie Bürger von ihren gewöhnlichen Geschäften abgeruscn hätte.Die Gebete für den Todten wurden mit geringer Unterbrechung fort-gesetzt und in halb Venedig wurden Messen für die Seele des armenFischers vor den Altären gelesen. Seine Kameraden, wenn auchein wenig argwöhnisch, dennoch höchlichst geschmeichelt, behielten einAuge auf die Cercmonicn mit einem wunderlichen Gemisch vonMißtrauen und Triumph. Noch ehe die Nacht hcrankam, gehörtensie wieder zu den gehorsamsten Untcrthanen, auf deren Nacken dieOligarchie zu treten pflegte. Denn solche Wirkung hat diese Artvon Regierung, daß sie die Macht erlangt, durch Schmeichelei Die-jenigen zu beschwichtigen, welche sie durch Ungerechtigkeit mißmüthiggemacht hat. So ist der Mensch: aus der Gewöhnung an Unter-würfigkeit entspringt ein künstliches, aber tief gewurzeltes Gefühlvon Ehrfurcht, welches dem so Geleiteten ein wahres Wohlbehageneinflößt, wenn Derjenige, welcher so lange den Höheren spielte, vonseinen Stelzen hcrabsteigt und sich zu der allen Menschen gemein-samen Schwäche bekennt.
Der Marcusplatz füllte sich zur gewöhnlichen Stunde, die Patri-cier verließen den Broglio, wie sie pflegten, und ehe noch die Uhrdie zweite Stunde der Nacht schlug, herrschte wieder die alte Lustig-keit ans dem Platze. Gondeln, mit Damen von Adel besetzt, er-schienen aus den Kanälen, die Fensterjalousien der Paläste wurdenausgezogen, um die Seeluft einzulassen, und Musik ließ sich hörenim Hasen, auf den Brücken und unter den Balcons der Schönen.War's ja nicht der Mühe werth, den Gang des geselligen Verkehrs
Der Bravo. Zg