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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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Es wundert mich nicht. Dicß unehrliche Gesindel kann sichnicht cinbilden, daß man Etwas blos wegen des Gewissens thunkönne. Aber da kommt der Neapolitaner. Sieh' nur den Lüdcrjanan, Gelsomina, nnd du wirst ihn so sehr als ich verabscheuen."

Die Thüre ging auf, und Don Eamillo Monforte trat ein. Eswar ein Mißtrauen in seinem Benehmen, welches schließen ließ, daßer eine List von Seiten des Raths der Dreimänner vermuthcte.Gelsomina erhob sich, und obgleich durch die Erzählung ihrer Cousineund die vorangehenden Eindrücke ausgeregt, stand sie doch wahrendseines Herannahcns da, wie ein anmuthiges Bild der Sittsamkcit.Der Neapolitaner ward von ihrer Schönheit und von ihrem einfachenWesen sichtlich ergriffen, aber seine Stirn war gerunzelt wie dieeines Mannes, der sein Inneres gegen alle Täuschung stählen will.

Du wolltest mich sprechen?" fragte er.

Ich hatte diesen Wunsch, edler Herr, aber Annina"

Da du eine andere siehst, hast du deine Absicht geändert."

Ja, Signore."

Don Camillo sah sie ernstlich und mit männlichem Bedauern an.

Du bist jung für deinen Stand hier ist Gold. Geh' wiedu gekommen bist. Aber halt kennst du diese Annina?"

Sie ist meiner Mutter Schwestcrtochter, edler Duca!"

?er viunu, eine würdige Verwandtschaft. Geht mit einander,denn ich bedarf keiner von Beiden. Aber höre'" hierbei faßte erAnnina beim Arme und führte sie bei Seite, wo er mit leiser aberdrohender Stimme fortfuhr:Du sichst, daß ich, so gut wie deinSenat, mich furchtbar machen kann. Nicht über die Schwelle dei-nes Vaters kannst du gehen, ohne daß ich es erfahre. Wenn duklug bist, so wirst du deine Zunge im Zaum halten. Thu' was duwillst, ich fürchte dich nicht. Aber nimm dich in Acht, wenn duklug bist."

Annina machte eine tiefe Verbeugung, gleichsam die Weisheitseiner Mahnung anerkennend, nahm ihre halb bewußtlose Cousine

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