Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
337
Einzelbild herunterladen
 

Leichnam dem Mondlichte zu, daß dessen gespenstige Züge sichtbarwurden, und deutete, während er sprach, ans das Schauspiel, welcheser so bereitet hatte. Der Fürst staunte bei dem unerwarteten An-blick, und nachdem er, seine Gefährten und Wachen dicht hinter sich,die Treppe hinnntergestiegen war, blieb er eine Weile schweigendbei der Leiche stehen.

Hat dieß ein Mörder gethan?" fragte er, aus den tobtenFischer blickend und sich bekreuzend.Was konnte der Tod einessolchen Mannes einem Bravo cinbringen? Vielleicht ist der Unglück-liche bei einer Schlägerei mit seines Gleichen gefallen?"

Kein's von beiden, durchlauchtigster Doge! Wir besorgen, daßAntonio den Unwillen von St. Marco hat entgelten müssen."

Antonio! Ist dieß der dreiste Fischer, welcher bei der Regattauns lehren wollte, wie wir regieren müßten?"

Derselbe, Excellenz!" crwiedertc der einfache Arbeitsmannvon den Lagunen,und eine tüchtigere Hand beim Netz, oder eintreuerer Freund in der Noth hat nie eine Gondel gerudert nach demLido oder von dort her. Dinvolo! Es müßt" eine Freude für EureHoheit gewesen sein, den armen, alten Christen unter uns zu sehenam Tage eines Heiligen, wenn er unsere kleine Feierlichkeit anführte,ober wenn er uns lehrte, wie unsere Eltern dem Handwerk Ehrezu machen pflegten."

Oder bei uns zu sein, durchlauchtigster Doge," schrie ein An-derer, denn wenn einmal Bahn gebrochen ist, sind die Zungen desVolks bald kühn,bei einer Lustbarkeit auf dem Lido, wo der alteAntonio immer der Erste war im Lachen und immer am bestenwußte, wann es Zeit war ernsthaft zu sein."

Der Doge fing an den Zusammenhang der Sache zu ahnenund warf einen Blick seitwärts, um die Mienen des ungekanntenInquisitors zu erforschen.

Es ist bei weitem leichter," sagte er, da das abgerichtcte Ge-sicht, welches er angeschaut hatte, ihm keinen Ausschluß gab,die

Der Bravo. ZZ