Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
310
Einzelbild herunterladen
 

310

in die Geheimnisse des Staats. Doch wenn ich von seinem Schwan-ken bei dieser Gelegenheit etwas darf schließen, so kommt's mir vor,als wenn er sich mehr richtete nach Berechnungen, als nach sicheremWissen. Gottseliger Daniel! es hat gegeben Augenblicke, wo ichHab' vcrmuthct, daß der ehrwürdige Patricier ein Mitglied desNathes der Dreimänner ist!"

Sein Adel ist alt, seine Privilegien wohlbegründet warumsollte er nicht?"

Ich sage ja nichts dagegen, Signor. Es ist ein weises Col-legium, das viel Gutes thut und viele Nebel verhütet. Niemandauf dem Rialto sagt den geheimen Berathungen Böses nach; dortlegen sich die Leute auf Brodcrwerb und klügeln nicht über dieHandlungen ihrer Beherrscher. Aber, Signor, er möge nun zudiesem oder jenem Nathe gehören, oder blos Senatsmitglicd sein,so hat er einen behutsamen Wink fallen lassen über die Gefahr desVerlustes, in der wir uns"

Wir! Hast du etwa Absichten auf Donna Violctta, Hosea?"

Das verhüte Lcah und das Gesetz! Wenn die schöne Königinvon Saba selbst mich versuchte, uud die sündhafte Natur Schwächezeigte, so würden unsere Rabbiner, aller Wahrscheinlichkeit nach,Gründe zur Selbstverläuguung finden! Ueberdieß ist die TochterLevi'S keine Begünstigerin der Vielweiberei, noch irgend einesandern Vorrechtes unseres Geschlechtes. Ich sagte darum Wir,Signor, weil bei dieser Heirath das Interesse der Leute auf demRialto ebensogut auf dem Spiele steht, als das des HausesGradenigo."

Ich verstehe, du fürchtest für dein Gold."

Wenn ich in dieser Sache so leicht Besorgnisse schöpfte, SignorGiacomo, so würde ich es so bereitwillig nicht hergegeben haben.Indessen, ist auch die einstige Erbschaft von deinem Vater voll-kommen hinlänglich, jede Anleihe, die ich, armer Mann, machenkann, sicher zu stellen, so würde die Sicherheit doch dadurch nicht