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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
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worden sei. Die große Vcrstcllungskunst des Staates, so wie dieEntschlossenheit und Vorsicht des jungen Edlen entzogen alles Uedrigeder Beobachtung.

So verging der Tag: keine einzige Zunge, außer denen, dieim Geheim flüsterten, machte irgend eine Anspielung auf die Be-gebenheiten unserer Erzählung.

Eben als die Sonne unterging, schwebte eine Gondel langsamdem Wasserthore des herzoglichen Palastes zu. Der Gondelier landete,band, wie gewöhnlich, sein Boot an die Treppenstcine fest, und tratdann in den Hof. Er trug eine Maske, denn schon war die Stundeder Verkleidung gekommen, und sein einfacher Anzug glich so sehrdem von Leuten seines Standes, daß er eben durch seine Einfach-heit alles Erkennen vereitelte. Nach einem vorsichtigen Blick um sichher, ging er durch eine geheime Thür in das Gebäude.

Der Palast, in dem die Dogen von Venedig residirtcn, stehtnoch jetzt als ein düsteres Denkmal vcnetianischer Politik da, undliefert an und für sich schon einen Beweis des zweideutigen Cha-- rakters der Fürsten, die cs einst bewohnten. Es umgibt einen weiten,doch dunkeln Hof, wie fast alle Hauptgebäude Europas. Die eineseiner Fahnden macht die Seite der oft schon erwähnten Piazettaaus, die andere stößt an den Quai, zunächst dem Hafen. Die Archi-tektur dieser beiden äußeren Fronten erhebt das Gebäude zum Be-merkenswerthcn. Ein niedriger Bogengang, der den Broglio bildet,unterstützt eine Reihe massiver, orientalischer Fenster, und über diesenzieht sich wieder eine, mit wenigen Oeffnungen versehene Mauer,die alle sonst gebräuchlichen Ordnungen der Baukunst umstößt. Diedritte Seite ist fast ganz verdeckt durch die Kathedrale St. Marcus,und die vierte wird vom Kanal bespült. Auf der andern Seite desKanals liegt das Staatsgefängniß, durch die so nahe Verbindungder Kraft der Gesetze und der Kraft der Strafe, sehr beredt denCharakter der Regierung aussprcchend. Die berühmte Seuszerbrückeist das materielle Band zwischen beiden, wie sie denn auch ein Symbol