Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

Abwesenheit benutzt, und sich mehr mitgctheilt, als sich geziemte/'sagte der Karmeliter, die Antwort vorausschcnd.

Vater, die Natur ist zu mächtig für die schwache Vorsichtder Vernunft."

Die Stiru des Mönches bewölkte sich. Seine Gefährten be-wachten die Bewegungen seiner Seele, die sich auf seinem, gewöhn-lich wohlwollenden, wenn gleich stets traurigen Gesichte, aussprachen.Einige Augenblicke lang schwiegen Alle. Endlich fragte der Car-melitcr, seinen unruhigen Blick zu Don Camillo erhebend:

Hast du auch die Folgen dieser Ueberciluug gehörig überlegt,mein Sohn? Was gewährt dir solche Sicherheit, dem Zorn derRepublik zu trotzen, ihre Kunstgriffe, ihre geheimen Auskundschafterund ihre Schrecken hcrauszufordcrn?"

Vater, ich habe, wie Alle meines Alters, überlegt, wenn sievon ganzem Herzen und von ganzer Seele lieben. Ich fühle, daßjedes Elend Glückseligkeit für mich sein würde, im Vergleich mitdem Verlust Violetta's, und daß keine Gefahr dem Lohne ihrerLiebe glcichkommt. Dieß sei genug auf deine erste Frage ausdie andere kann ich nur antworten, daß ich der Hinterlist des Se-nats zu gewohnt bin, um in den Kunstgriffen, ihr entgegen zuhandeln, ein Neuling zu sein."

Die Jugend hat nur eine Sprache, wenn die angenehmeTäuschung, die die Zukunft in goldene Strahlen kleidet, sie bc-thört. Mag Alter und Erfahrung sie immerhin verdammen, dieSchwachheit behält über Alle den Sieg, bis das Leben seinewahren Farben auuimmt. Herzog von St. Agata, bist du gleichvou hoher Abkunft, berühmtem Geschlechte und Herr vieler Va-sallen, so bist du doch keine Macht du kannst deinen Palast inVenedig nicht für eine Festung erklären, noch den Dogen durcheinen Herold heraussordern lassen."

Sehr wahr, ehrwürdiger Mönch, das kann ich nicht; auchwäre es nicht wohlgethan, sein Glück so auf's Spiel zu setzen. In-