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„Warum verließest du uns, wie kountest du in einem fürunseren Zögling so wichtigen Augenblick — in einem Augenblick,der auf ihr Glück vielleicht vom bedeutendsten Einfluß ist, — einelange Stunde abwesend bleiben?"
Violetta blickte erstaunt und überrascht auf die Uhr, dochsprach sie nicht.
„Die Diener des Staats bedurften meiner;" erwicdcrte derMönch, sein Herz durch einen Seufzer erleichternd.
„Ich verstehe dich, Vater; du hattest einem armen Sünderdie Beichte abzunehmcn?"
„So ist es, meine Tochter; und Wenige sterben so in Friedenmit Gott und ihren Brüdern!"
Donna Florindc betete ein stilles Gebet für die Seele desTodten und bekreuzte sich andächtig, als sie endigte. Ihrem Beispielfolgte ihr Zögling, und selbst Don Camillo's Lippen bewegten sichscheinbar andächtig, während er sein Haupt nach seiner schönen Ge-fährtin hinneigte.
„War es ein gerechtes Ende, Vater?" fragte Donna Florindc.
„Ein unverdientes!" schrie der Mönch mit Eifer, „oder Allesist Heuchelei im Menschen. Ich sah einen Menschen sterben, derbesser zum Leben, ja glücklicherweise auch besser zum Sterben ge-eignet war, als Die, welche sein Urtheil gesprochen haben. Welch'ein furchtbarer Staat ist Venedig!"
„Und dieß find deine Herren, Violetta!" sagte Don Camillo,„diesen mitternächtlichen Mördern soll dein Glück anvertraut werden!Sag' uns, Vater, steht deine schmerzliche Tragödie auf irgendeine Weise mit den Angelegenheiten dieses herrlichen Wesens inVerbindung? Denn wir sind hier von Geheimnissen umgeben, dieeben so unbegreiflich und fast eben so schrecklich sind, als dasSchicksal selbst."
Der Mönch blickte von Einem zum Anderen, und ein mensch-licherer Ausdruck fing an, sich in seinem Gesicht zu zeigen.