Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
194
Einzelbild herunterladen
 

194

Sie spricht von Beweisen, die sich im Besitz des Anklägers, einesvon dem Neapolitaner beauftragten Agenten, befänden. Wie ichvennuthe, sendet er als Pfand seiner Glaubwürdigkeit, denn nichtsAnderes wird dabei erwähnt, das eigne Handsicgel Don Camillo's,welches er nicht, wenn er nicht des edlen Herrn Vertrauen besähe,erhalten konnte."

Ist der Ring auch ganz bestimmt der seinigc?"

Davon bin ich vollkommen überzeugt. Sie wissen, daß ichbesonders beauftragt bin, sein persönliches Begehren beim Senatzu leiten, und so haben mir denn häufige Unterredungen Gelegenheitgegeben, zu bemerken, daß er früher den Siegelring trug, der ihmjetzt fehlt. Mein Juwelier auf dem Rialto hat diesen für den ver-mißten Ring erkannt."

In so weit ist die Sache klar; obgleich der eigcnthümlichcUmstand, daß der Siegelring des Angeklagten sich bei der Anklagevorgesundcn, etwas dunkel scheint, und die Klage unsicher und un-gewiß macht. Haben Sie einen Schlüssel zu der Schrift, oderMittel zu erfahren, woher sie kommt?"

Ein kleiner, fast unbemerkbarer rother Fleck auf der WangeSignor Gradenigo's entging dem scharfen Mißtrauen seiner Ge-fährten nicht, indeß verbarg er seine Verlegenheit und antwortetevernehmlich, daß er nichts dergleichen besitze.

So müssen wir denn die Entscheidung bis auf weitere Be-weise verschieben. Die Gerechtigkcitspflege des heiligen Marcus istzu sehr hervorgehoben, als daß man ihren Ruf durch einen über-eilten Ausspruch, bei einer Sache, die einen mächtigen italienischenEdlen so nahe angeht, auf's Spiel setzen sollte. Don Camillo Mon-sorte trägt einen ausgezeichneten Namen und zählt zu viele bedeu-tende Personen unter seinen Verwandten, als daß man mit ihmwie mit einem Gondelier oder mit dem Boten eines fremdenStaates umgehen könnte."

In Bezug auf ihn haben Sie unbezweifelt recht, Signor;