Druckschrift 
15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
84
Einzelbild herunterladen
 

aber so spät, daß ich schon dachte, irgend ein Zufall hätte mich desVergnügens beraubt, Euch zu sehen/'

Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, edler Senator, jedochdie Kühle auf den Kanälen, die Heiterkeit des Platzes, und dannauch die Furcht, Euch die kostbare Zeit zu früh zu rauben, habenmich verspätet. Jndeß hoffe ich von der allbekannten Güte desSignor Gradenigo für meine Vertheidigung"

Pünktlichkeit ist nicht das größte Verdienst der vornehmenHerren in Unter-Italien," erwiederte Signor Gradenigo trocken.Die jungen Leute sind so darauf erpicht, zu leben, daß sie darüberdie Minuten vergessen, die ihnen entwischen; wir Alten lassen cs unshauptsächlich angelegen sein, die Versäumnisse der Jugend cinzu-bringen. So ist es das Tagcsgeschäft der Menschen, Herr Herzog!zu sündigen und zu bereuen, bis zu beiden nicht mehr Gelegenheitist. Wir wollen aber nicht verschwenderischer mit den Augenblickenumgehen, als uöthig ist. Können wir von dem Spanier bessereAnsicht der Sache erwarten?"

Ich habe Nichts versäumt, was irgend auf einen vernünftigenMann wirken kann, besonders habe ich ihm vorgestellt, welche Vor-theile die Achtung des Senats ihm gewähren würde."

Daran habt Ihr klug gethan, Signore, sowohl in Rücksichtauf seinen als auf den Euren. Der Senat ist Denen, welche ihmdienen, ein freigebiger Zahlmeister, und Denen, welche dem Staateschaden, ein furchtbarer Feind. Ich hoffe, die Sache wegen derSuccesston ist ihrem Schluffe nahe."

Ich wünschte, daß man dieß sagen könnte. Ich liege demTribunal an mit allem erforderlichen Eifer, und versäume keine Pflichtpersönlicher Aufwartung und Bitte um Verwendung. Es gibt kei-nen gelehrteren Doktor von Padua, als meinen Anwalt, und dochzieht sich die Sache hin, wie in einem Schwindsüchtigen das Leben.Wenn ich mich nicht als würdiger Sohn des heiligen Marcus indieser Angelegenheit mit dem Spanier erwiesen habe, so ist die