82
„Nichts von Bedeutung — es sucht Jemand meine Hilfe eifrignach, aber ich weiß noch nicht vollständig, was er wünscht."
„Dein Geschäft ist von zarter Natur und heischt Vertrauen;sein Ertrag aber, wie du wobl weißt, ist gewichtig und sicher."Er sah die Augen des Bravo funkeln, und hielt unwillkürlich inne.Bald aber herrschte wieder jene merkwürdige Ruhe aufJacopo'sbleichem Gesichte, und der Redner fuhr fort, als hätte keine Unter-brechung stattgefunden. „Ich wiederhole es dir, der Staat wirdseine Belohnung und Milde nicht vergessen. Im Punkte der Ge-rechtigkeit ist er unerschütterlich streng, aber im Verzeihen herzlichund freigebig in seinen Gunstcrweisungen. Ich habe mir viel Mühegegeben, dir diese Thatsachcn zu beweisen, Jacopo. Gelobter St.Marcus! daß eines von den Reisern deines großen Stammes seineKraft vergeuden sollte für eine Rasse von Ungläubigen! Aber dubast mir Den nicht genannt, der so ernstlich um dich wirbt."
„Da ich seinen Handel noch nicht kenne, wird cs gut sein,Signore, che ich etwas Weiteres thue, zu erfahren, was er wünscht."
„Diese Zurückhaltung ist am Unrechten Ort. Du brauchst derKlugheit der Staatsbeamten nicht zu mißtrauen, und es sollte mirleid thuu, wenn die Inquisitoren eine üble Meinung von deinemEifer bekämen. Jenes Individuum muß namhaft gemacht werden."
„Ich klage ihn nicht an. Alles, was ich sagen kann, ist, daßer Lust hat, heimlich mit Jemandem sich einzulassen, mit dem sichciuzulassen fast ein Verbrechen ist."
„Ein Verbrechen verhüten ist besser, als es bestrafen, das istdas Hauptaugenmerk beim Regieren. Du wirst mir den Namendeines Korrespondenten nicht vorenthalten'"
„Nun denn, es ist ein edler Neapolitaner, der wegen wichtigerAngelegenheiten und wegen des Anrechts auf einen Sitz im Senatsich seit einiger Zeit hier in Venedig aufhält."
„Ah! Don Camillo Monfortc! Hab' ich recht, Bursche?"
„Allerdings, Signore!"