und der sich mit unziemlichen Reden vergangen hat!" rief SignorGradenigo, einen hastigen und forschenden Blick auf seine Mündelwerfend.
„Nein, wer sich in so weit vergessen hat, möge auch die Strafeseines Vergehens leiden."
„Du hast vollkommen recht. Man kann in diesem Zeitalterneuer Meinungen und aller Arten von Neuerungen die Leute nichtstreng genug halten. Wenn der Senat die wüsten Theorien derGedankenlosen und Thörichten unbeachtet lassen wollte, da würdensie bald zu den untergeordneten Gcmüthern der Unwissenden undFaullcnzer dringen. Geld fordere von mir, zwanzigsach, wenn duwillst, nur nicht Verzeihung für einen Störer der öffentlichenRuhe."
„Ich begehre keine Zechine. Ich habe ein edleres Geschäft."
„So rede denn, und lasse mich nicht länger rathcn."
Jetzt, da sic nun, was ihres Herzens Wunsch im Stillen ge-wesen war, in eigene Worte fassen und aussprechen sollte, schienDonna Violctta sich davor zu fürchten. Sie wechselte mehrmalsdie Farbe, und suchte im Auge ihrer aufmerksamen und verwun-derten Gefährtin Rath. Diese aber, die ihr Vorhaben nicht kannte,vermochte die Supplikantin durch nichts zu ermuthigen, als durchjenen Blick des Mitgefühls, den Frauenzimmer einander nicht vor-enthaltcn, wann ihre eigenthümlich weiblichen Empfindungen irgendin's Gedränge kommen. Violctta stockte, sich selber mißtrauend,dann aber lachte sie über den eigenen Mangel an Selbstbeherrschung,und fuhr fort zu reden.
„Ihr wißt, Signor Gradenigo," sagte sie mit einem Nachdruck,der, wenn auch bei weitem verständlicher, doch nicht minder auf-fallend war, als ihre Gemüthsbewcgnng einen Augenblick früher;„Ihr wißt, daß ich von einem Geschlcchte stamme, das seit Jahr-hunderten groß war in Venedig."
„So meldet unsere Geschichte."