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15 (1853) Der Bravo : eine venetianische Geschichte
Entstehung
Seite
36
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neval, und der Käufer wie der Verkäufer hat es frei, sein Gesichtzu verstecken so gut als seine Gedanken. Was hast du im Artikelverbotener Weine, Stefano, damit meine Gefährtin den Abend nichtmit müssigen Worten verliere?"

?er viunu! Meister Gino, du bist'ohne Umstände in deinenFragen. Der Raum der Felucke ist leer, wie du dich überzeugenkannst, wenn du die Treppe hinuntersteigen willst. Was aberWein anbelangt, so lechzen wir nach einem Tropfen, unser Blutzu wärmen."

Statt also hcrzukommeu, ihn hier zu suchen," sagte Annina,hätten wir besser gethan, nach der Kathedrale zu gehen, und einAve zu beten für deine glückliche Heimfahrt. Und nun, da unserWitz aus ist, wollen wir gehen, und einen Andern suchen, der we-niger Pfiffig im Antworten ist, als du, Meister Stefano."

Kospetto! Du weißt nicht, was du sprichst," flüsterte Gino,als ersah, daß die vorsichtige Annina nicht bleiben wollte,derMann besucht nicht die kleinste Bucht in Italien, ohne auf eigneRechnung etwas Nutzbares in der Felucke versteckt mitzubringen.Ein einziger Kauf von ihm entscheidet die Frage, ob deines VatersWeine oder die von Baptista besser sind. Da ist kein Gondelier inganz Venedig, der nicht in deinen Laden läuft, wenn du mit demBurschen da ein Geschäft abschließen kannst."

Annina ward nachdenklich. Die lange Uebung in dem kleinen,aber geheimen und überaus gefährlichen Handel, den ihr Vater,trotz der wachsamen und strengen venetianischen Polizei, bisher glück-lich geführt hatte, machte ihr es einerseits bedenklich, einem gänz-lich Unbekannten ihre Absicht zu zeigen, andrerseits aber ein Ge-schäft aufzugebeu, wobei etwas zu gewinnen sein konnte. Daß Ginoin Bezug auf seinen Auftrag sie geäfft hatte, war ganz klar, da einDiener des Herzogs von San Agata nicht leicht einer Verkleidungbedürfen konnte, um so einen Priester auszusuchen, doch kannte sie